Gegen 18 Uhr in Vancouver, nehme ich jetzt wieder die MEZ-Zone:
Naja, das Einchecken und Warten auf dem Flughafen ist nicht weiter erwähnenswert. Was mir sehr gut gefällt, ist der Flughafen an sich. Er ist grün, mit indianischen Schnitzereien und Figuren gestaltet. Er wirkt freundlich und einladend. Der Flug geht um 20:30 Vancouverzeit, also 5:30 MEZ-Zone los.
Kurz vor dem Security Check mache ich einen kleinen Fehler: ich setzte meinen Rucksack ab, weil ich schauen möchte, ob meine Papiere an ihrem Platz sind. Dann gehe ich weiter. Zwei Uniformierte schauen mich bissl komisch an – ich werde zur Seite gebeten und mir werden von den Handflächen, Gürtel und Schuhen Proben genommen. Ich schätze mal ein Drogentest. Die haben bestimmt gedacht: ich habe die Kontrolle gesehen und noch schnell den Stoff versteckt… Falsch gedacht, Kumpels, aber danke für’s Aufpassen!
Boarding und los gehts!
Das Flugzeug ist nur im hinteren Teil voll besetzt? Ich sitze wieder vorn, diesmal 16. Reihe. Und genau neben mir sitzen eine Frau und Tochter. Na, super. Zwei Leute wecken müssen, wenn man mal auf’s Klo muss, denke ich. Kurz darauf stellt sich heraus, daß die beiden garnicht verwandt sind. Das Mädel fragt ob ich auch deutsch spreche. Ja. Oh super, die Frau da hat sich an mich drangehangen und sogar ihren Sitzplatz getauscht, jetzt habe ich schon seit 3 h eine Unterhaltung mit ihr, ich kenne nun fast ihre ganze Familiengeschichte. Eigentlich wollte ich den Flug über meine Ruhe haben…aber jetzt…
Na super. Hinter uns sitzen noch zwei Frauen und auf der anderen Seite auch noch ein Mann und ein Mädel, der ganze Rest ist frei, warum sitzt die grade in unserer Reihe. Wir hätten echt viel Platz gehabt…
In Calgary ist eine Zwischenlandung geplant, dort steigen dann weitere Reisende ein. Hoffentlich sind es nicht zu viele, dann würde die Frau sich sowieso umsetzen, weil sie gerne im Liegen schlafen möchte. Man darf sich aber erst nach dem Boarding in Calgary umsetzen. Aber das interessiert diese Frau überhaupt nicht. Sie legt sich bald nach dem Start von Vancouver in die Mittelreihe und versucht zu schlafen. Wenn sie es nicht kann unterhält sie prächtig unsere kleine Runde im vorderen Abteil. Wir amüsieren uns prächtig. Meine Nachbarin ist 24 Jahre und war jetzt 3 Wochen in Kanada und 6 Wochen in San Francisco und freut sich auf ihr zuhause. Sie muss oft über ihre “Freundin” lachen, aber nicht böshaft, sie mag sie ja trotzdem irgendwie.
Kurz vor dem Boarding in Calgary lernt sich die Gruppe noch ein wenig kennen. Der Mann stößt dazu. Hinter uns sitzen, diesmal wirklich, Mutter und Tochter aus dem Rheinland. Er war seit 1981 sehr regelmäßig in Kanada: er wirkt fast wie ein Kanadier, freundlich, Holzfällerhemd, groß und stark.
Während des Boardings hoffen wir beide, daß wir Glück haben und die Reihe neben uns oder irgendwo frei bleibt. Die Frau schickt die Leute, für uns sehr unterhaltsam, für die Zusteigenden sehr irritierend, weiter nach hinten und reserviert schon mal “ihre” Reihe…
Nach einem stetigen Fluss von Leuten und schon voll besetzten Reihen vor uns, bleibt ihre Reihe und die Reihen teilweise hinter ihrer leer, bis fast leer. Ein Wunder. Ausgerechnet in ihrer Reihe No. 16 will keiner mit seinem Boardpass. Heute ist wirklich Glückstag und wir Mädels haben die Fensterreihe für uns!
Gelegentlich unterhält man sich, das Mädel ist auch sehr kontaktfreudig und unterhält sich manchmal auch mit dem Mutter-Tochter-Paar. Die Tochter übrigens, setzt sich bald nach dem 2. Boarding neben den Holzfällertypen und die quatschen dann intensiv über Kanada und so… 
Das war die bisher lustigste Flugreise, wahrscheinlich, weil wir anfangs so wenige dort vorne waren und man einfach ins Gespräch kam. Aber der Auslöser für alles war definitv: diese Frau. Die Frau, die in Vancouver lebt und nun zu ihrer Mutter nach Schweden will…
Ansonsten ist der Flug recht ruhig. Manchmal schaukelt es mir zu oft hin und her, so daß mir manchmal etwas schwindlig wird, aber es geht. Nur schlafen geht nicht, obwohl ich gegen 15 Uhr schon echt müde bin. Ich schau mir nochmals den Film “French Immersion” auf dem Boardbildschirm an.
Am Flughafen gibt uns die Frau noch Abschiedsküßchen auf die Wange und das Mädel und ich begleiten uns noch gegenseitig zum Ausgang. Ich soll mich melden, wenn ich in ihrer Nähe bin.
Ab zum Bahnhof und feststellen, daß ich nicht durchfahren kann, sondern in Mannheim umsteigen muss. Alles in allem sind die Züge recht pünktlich; nur in Stuttgart gibt es ein paar Überlastungen und wir kommen 12 min später an. Ich muss nur aufpassen, daß ich jetzt nicht wirklich einschlafe, sonst wache ich in München auf. Bin seit ca 26 h wach.
Alex holt mich ab, es gibt lecker Essen und ich erzähle und erzähle und bin garnicht mehr müde, zu aufgedreht bin ich. Um Mitternacht bin ich im Bett und schlafe sofort ein. Um acht bin ich wie in letzter Zeit wach und könnte aufstehen, will aber nicht. Es gibt kein serviertes Frühstück, es gibt nichts zu sehen, nichts schönes zu tun, keine Berge, keine Bären, kein Meer…
Also schlafe ich mit Unterbrechungen bis fast um 15 Uhr und mache mich ans Auspacken, Wäsche waschen, Sortieren und Erinnern…
Und schreibe nun meine letzten Einträge…
