Was ich toll fand…

- nach vorne rausschauen im Skytrain…

- die freundlichen, kommunikativen, sportlich aktiven und vielseitig interessierten Kanadier…

- das es überall kostenlose und durchaus sehr oft saubere Toiletten (sogenannt : Washroom) gab

- die Bären, die Grauhörnchen, die Möven, die Hunde, die Lachse, verschiedene Vogelarten, der Biberdamm, die kleine schwarzgelbgestreifte Schlange, der Blauwal…

- den Blick auf die Wolken, den Sonnenauf- und untergang, die Eisberge Grönlands beim Fliegen…

- den Trail auf den Grouse Mountain

- das Lachsessen in Campbell River,
das Thailändische und Japanische Essen in Vancouver,
die leckeren Pancakes und Brötchen von meiner Gastmutter in Vancouver
die guten Bagels bei der “Tim Horton” Kette,
die feinen Cookies bei “Starbucks”

- der Anblick der Hochhäuserschluchten Vancouvers…

- der kleine Hafen von Steveston

- die ganze wilde Natur…

- das Meeresrauschen…

… … …

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Abschluss

Drei wunderschöne Wochen CANADA sind nun vorbei und jetzt fängt irgendwann das Realisieren von all dem Erlebten an.
Vor Ort wußte ich manchmal garnicht mehr, was ich alles gesehen und erlebt habe und mußte durch meine Fotos mich erinnern: das war sehr viel für die kurze Zeit!
Beispielsweise kam mir nach meiner Ankunft in Deutschland die Abfahrt von Victoria schon wieder ewig vor…

Ich freue mich, daß ihr meiner kleinen Geschichte so treu geblieben seit, auch wenn es mit den Namen, Orten oder dem Englischen für manch einen etwas verwirrend gewesen sein muss:
Danke!
(und falls sich Tipp- oder gar Inhaltsfehler eingeschlichen haben, versuche ich diese noch zu korrigieren bzw. zu entschuldigen)

Dann bis zur nächsten Reise oder neuen Projekten!

Eure
madlen

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21. Tag

Gegen 18 Uhr in Vancouver, nehme ich jetzt wieder die MEZ-Zone:

Naja, das Einchecken und Warten auf dem Flughafen ist nicht weiter erwähnenswert. Was mir sehr gut gefällt, ist der Flughafen an sich. Er ist grün, mit indianischen Schnitzereien und Figuren gestaltet. Er wirkt freundlich und einladend. Der Flug geht um 20:30 Vancouverzeit, also 5:30 MEZ-Zone los.
Kurz vor dem Security Check mache ich einen kleinen Fehler: ich setzte meinen Rucksack ab, weil ich schauen möchte, ob meine Papiere an ihrem Platz sind. Dann gehe ich weiter. Zwei Uniformierte schauen mich bissl komisch an – ich werde zur Seite gebeten und mir werden von den Handflächen, Gürtel und Schuhen Proben genommen. Ich schätze mal ein Drogentest. Die haben bestimmt gedacht: ich habe die Kontrolle gesehen und noch schnell den Stoff versteckt… Falsch gedacht, Kumpels, aber danke für’s Aufpassen!
Boarding und los gehts!
Das Flugzeug ist nur im hinteren Teil voll besetzt? Ich sitze wieder vorn, diesmal 16. Reihe. Und genau neben mir sitzen eine Frau und Tochter. Na, super. Zwei Leute wecken müssen, wenn man mal auf’s Klo muss, denke ich. Kurz darauf stellt sich heraus, daß die beiden garnicht verwandt sind. Das Mädel fragt ob ich auch deutsch spreche. Ja. Oh super, die Frau da hat sich an mich drangehangen und sogar ihren Sitzplatz getauscht, jetzt habe ich schon seit 3 h eine Unterhaltung mit ihr, ich kenne nun fast ihre ganze Familiengeschichte. Eigentlich wollte ich den Flug über meine Ruhe haben…aber jetzt…
Na super. Hinter uns sitzen noch zwei Frauen und auf der anderen Seite auch noch ein Mann und ein Mädel, der ganze Rest ist frei, warum sitzt die grade in unserer Reihe. Wir hätten echt viel Platz gehabt…
In Calgary ist eine Zwischenlandung geplant, dort steigen dann weitere Reisende ein. Hoffentlich sind es nicht zu viele, dann würde die Frau sich sowieso umsetzen, weil sie gerne im Liegen schlafen möchte. Man darf sich aber erst nach dem Boarding in Calgary umsetzen. Aber das interessiert diese Frau überhaupt nicht. Sie legt sich bald nach dem Start von Vancouver in die Mittelreihe und versucht zu schlafen. Wenn sie es nicht kann unterhält sie prächtig unsere kleine Runde im vorderen Abteil. Wir amüsieren uns prächtig. Meine Nachbarin ist 24 Jahre und war jetzt 3 Wochen in Kanada und 6 Wochen in San Francisco und freut sich auf ihr zuhause. Sie muss oft über ihre “Freundin” lachen, aber nicht böshaft, sie mag sie ja trotzdem irgendwie.
Kurz vor dem Boarding in Calgary lernt sich die Gruppe noch ein wenig kennen. Der Mann stößt dazu. Hinter uns sitzen, diesmal wirklich, Mutter und Tochter aus dem Rheinland. Er war seit 1981 sehr regelmäßig in Kanada: er wirkt fast wie ein Kanadier, freundlich, Holzfällerhemd, groß und stark.
Während des Boardings hoffen wir beide, daß wir Glück haben und die Reihe neben uns oder irgendwo frei bleibt. Die Frau schickt die Leute, für uns sehr unterhaltsam, für die Zusteigenden sehr irritierend, weiter nach hinten und reserviert schon mal “ihre” Reihe…
Nach einem stetigen Fluss von Leuten und schon voll besetzten Reihen vor uns, bleibt ihre Reihe und die Reihen teilweise hinter ihrer leer, bis fast leer. Ein Wunder. Ausgerechnet in ihrer Reihe No. 16 will keiner mit seinem Boardpass. Heute ist wirklich Glückstag und wir Mädels haben die Fensterreihe für uns!
Gelegentlich unterhält man sich, das Mädel ist auch sehr kontaktfreudig und unterhält sich manchmal auch mit dem Mutter-Tochter-Paar. Die Tochter übrigens, setzt sich bald nach dem 2. Boarding neben den Holzfällertypen und die quatschen dann intensiv über Kanada und so… ;)
Das war die bisher lustigste Flugreise, wahrscheinlich, weil wir anfangs so wenige dort vorne waren und man einfach ins Gespräch kam. Aber der Auslöser für alles war definitv: diese Frau. Die Frau, die in Vancouver lebt und nun zu ihrer Mutter nach Schweden will…

Ansonsten ist der Flug recht ruhig. Manchmal schaukelt es mir zu oft hin und her, so daß mir manchmal etwas schwindlig wird, aber es geht. Nur schlafen geht nicht, obwohl ich gegen 15 Uhr schon echt müde bin. Ich schau mir nochmals den Film “French Immersion” auf dem Boardbildschirm an.
Am Flughafen gibt uns die Frau noch Abschiedsküßchen auf die Wange und das Mädel und ich begleiten uns noch gegenseitig zum Ausgang. Ich soll mich melden, wenn ich in ihrer Nähe bin.

Ab zum Bahnhof und feststellen, daß ich nicht durchfahren kann, sondern in Mannheim umsteigen muss. Alles in allem sind die Züge recht pünktlich; nur in Stuttgart gibt es ein paar Überlastungen und wir kommen 12 min später an. Ich muss nur aufpassen, daß ich jetzt nicht wirklich einschlafe, sonst wache ich in München auf. Bin seit ca 26 h wach.
Alex holt mich ab, es gibt lecker Essen und ich erzähle und erzähle und bin garnicht mehr müde, zu aufgedreht bin ich. Um Mitternacht bin ich im Bett und schlafe sofort ein. Um acht bin ich wie in letzter Zeit wach und könnte aufstehen, will aber nicht. Es gibt kein serviertes Frühstück, es gibt nichts zu sehen, nichts schönes zu tun, keine Berge, keine Bären, kein Meer…

Also schlafe ich mit Unterbrechungen bis fast um 15 Uhr und mache mich ans Auspacken, Wäsche waschen, Sortieren und Erinnern…
Und schreibe nun meine letzten Einträge…

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20. Tag

Mein letzter Tag in Kanada beginnt sportlich. Linda, Bill, Fred und ich fahren zur Bodenstation der Seilbahn auf den Grouse Mountain, aber wir fahren nicht hoch, sondern wir laufen einen der beiden Trails die dort hinaufführen. Das heißt: 800 m Höhenunterschied bewältigen. Die drei machen das recht regelmäßig. Linda geht sehr schnell, bis sie irgendwann vor uns verschwindet, da ich mein eigenes Tempo laufen soll, was auch gut so ist. Die Männer bleiben in meiner Nähe. Ich frage mich wie die beiden die ganze Zeit ununterbrochen reden können, vor allem Fred, während ich mit den hohen Stufen und der Puste zu kämpfen habe. Die anfängliche Unbeschwertheit wandelt sich in den ersten geschafften 200 m Höhe “Wann-sind-wir-endlich-da?” Gedanken. Ich finde keinen guten Rhythmus, man muss aufpassen, wohin man tritt, es gibt kleine und große Steine und viele Wurzeln. Und es gibt dauernd höhere Stufen zu überwinden, das strengt am meisten an. Diese Art von Wandern ist sehr beliebt und somit sind recht viele Leute unterwegs, obwohl wir schon kurz nach neun Uhr gestartet sind. Aber das zerstreut sich sehr schnell.
Aber ich halte durch und nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir oben angekommen. Linda sitzt in der Sonne und winkt uns. Wir geniessen die atemberaubende Aussicht! Schön noch hier oben sein zu können!
Wir gehen ein Stückchen Weg und gelangen an ein Gehege, in welchem sie zwei Grizzlys halten, deren Mutter damals von einem Jäger oder Wilderer erschossen wurde. Sie sind etwa 15 Jahre alt und wurden hier großgezogen. Sie haben ein großes Gehege und es geht ihnen sichtlich gut…sie sind gut ernährt :) . Wir haben Glück, sie sind beide in der “Besucherecke” und plantschen im Wasser. Gleich darauf fangen sie an zu spielen, heißt, sich zu schubsen, zart zu beißen, eben rumzutollen. Bei dem heutigen Sonnenschein wird ihnen vielleicht schnell warm und sie gehen wieder ins Badewasser. Und dort sitzen sie wirklich wie in der Badewanne und spielen mit einem kleinen Ast. Ich kann einige schöne Fotos machen. Erst in diesem Park fällt mir auf, wie groß sie sind. Bei der Tour damals waren sie doch zu weit entfernt. Unglaublich!
Es macht ihnen Spaß ihnen zuzuschauen, sie verhalten sich wie zwei Kinder in der Badewanne :) .

Wir waren schon so verrückt, um auf diesen Berg hochzusteigen, aber nicht so dumm, auch noch runter zu laufen, wie manch andere, die wirklich runterrennen. Wir nehmen die Seilbahn (40 CAD Hoch-/Runterfahrt ; 10 CAD für Runterfahrt) für die Runterfahrt.
So hat man auch noch einmal einen tollen Ausblick auf die komplette Stadt und Umgebung, anstatt nur Wald zu sehen.
Unten ist auch noch ein Gehege für Wölfe. Wir schauen mal, ob sich einer zeigt. Heute ist unser Glückstag, bald kommt ein Wolf. Er hat ein sehr helles Fell, wirkt wie ein großer Hund und interessiert sich nicht lange für diesen Teil des Geheges. Aber immerhin habe ich zusätzlich einen Wolf gesehen!
Wir bleiben noch in North Vancouver und gehen in ein Café. Heute lade ich ein.
Bald verabschieden wir uns von Fred und fahren zurück.
Ich packe meine Sachen, unterhalte mich noch überwiegend mit Linda und will mich gegen drei Uhr verabschieden. Bill will mich aber nach Richmond bringen. Da sag ich natürlich nicht Nein.
Ich danke tausendmal für deren Einladung und Bill fährt mich wieder mit seinem roten Hondaflitzer. Die Straße finde ich sogar problemlos. Ich verabschiede mich von Bill – wir bleiben in Kontakt. Er und Linda sind super; ein tolles Team!
Die B&B Gastgeber freuen sich sehr, daß ich noch einmal da bin. Was ich nicht wußte: die Kinder plus Enkelkinder sind auf Besuch; es findet ein Mix aus Geburtstagsfeier und Thanksgiving statt. Thanksgiving ist offiziell erst am Montag.
Das ist für mich eine blöde Situation. Ich fühle mich fehl am Platze und bin es bestimmt auch. Die Hausherrin ist voll am Kochen und sie will auch, daß ich zum Essen bleibe. Ich sage aber dann doch nach einer Stunde, daß ich gern gehen möchte. Man will mich unbedingt zum Flughafen bringen. So schließt sich der Kreis…
Ich werde gefragt, warum ich nicht bleiben will – ich kann nichts sagen, muss fast heulen – sie versteht und auch ihr glitzern die Augen. Ihr Mann schnieft auch ein wenig im Auto, ich versuche noch ein Gespräch über ihre baldige Reise nach Paraguay. Am Flughafen sagt er noch ich solle unbedingt schreiben, wenn ich angekommen bin…
Ich kann das nicht beschreiben…kann man in nur 10 Tagen fremde Menschen so gerne haben? Ja, man kann! Das habe ich schon einmal erlebt ;)

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19. Tag

Heute ist Bill mein Entertainer. Linda ist auf Arbeit.
Nach dem Frühstück, er war davor schon 7 km Joggen, gehen wir zum Filmfestival in der Stadt. Da wir spät dran sind und keinen Bus erreicht haben, tun wir eher rennen als gehen. Der Film fängt pünktlich um 10:30 Uhr an. Wir schauen “This ain’t california”. Es ist eine Dokumentation über die Skaterszene in der DDR und gleichzeitig ein Hauptportrait als Erinnerung an einen von denen, der schon mit 41 Jahren gestorben ist. Zwischendurch blenden sie noch andere Kurzportraits ein. Der Film läuft als Original, wie es hier üblich ist, mit englischem Untertitel (welchen ich nicht brauche :) ). Wir beide sind sehr berührt und begeistert über diese Geschichte. Ich finde es als Erinnerung an meine Jugend sehr witzig anzusehen, all die bekannten Dinge, wie Plattenbauten, die Klamotten, manche Situationen etc.. Andererseits spiegelt es auch sehr gut wider, wie absurd die Handlungen oder Situationen der Funktionäre damals waren, da es sich eigentlich “nur” um Jugendliche handelte die Skateboard fahren wollten und keine Grenze zwischen sich und anderen Nationen gesehen haben. Das Thema finde ich sehr gut umgesetzt!
Danach laufen wir zurück, weil um 13 Uhr Hildegard, Werner und ein Freund von Bill zum sogenannten Lunch kommen werden. Da wir wieder laufen sind wir wieder etwas spät dran. Sein Freund ist schon da, aber die Eltern noch nicht. Bill möchte Grillen und kauft noch etwas ein, währenddessen unterhalte ich mich mit seinem Freund Fred. Er erzählt z.B. von seiner vergangen Reise nach Finnland , Schweden und Russland. Ich erzähle ein wenig über meinen Job, da es ihn interessiert was ich im Theater mache. Nicht zum ersten Mal in diesen Wochen fällt mir auf, daß die meistens Menschen nichts mit Musicals anfangen können und da merkt man erst, wie unbedeutend doch unser Business ist.
Bald darauf sind Bills Eltern da und er zurück. Während wir vier miteinander reden, ich hauptsächlich mit Hildegard auf Deutsch, bereitet Bill den Salat zu und grillt das Fleisch.
Es gibt leckeres Hühnchenfleisch mit Salat, Couscous und Reis. Als Nachspeise hat Hildagard einen Kürbiskuchen mitgebracht (genannt: Pumpkin Pie), welchen man mit Schlagsahne ist. Leeecker!
Ich nötige Hildegard, mir die Namen und Bekanntschaftsgrade zu diktieren, welche sie noch weiß, damit ich zum einen endlich weiß, von wem sie spricht und zum anderen als kleiner Stammbaum vorhanden ist. Das finde ich sehr interessant.
Gegen 16 Uhr fahren sie zurück. Bill und ich gehen an den Kitsilano Strand. Er nimmt seinen kleinen Kite (Windmatte) mit. Es gibt guten Wind dort. Der Strand ist sehr gut besucht. Die Leute Grillen, Joggen, Spazieren, spielen Beach Volleyball, Basketball oder lassen Drachen steigen. So wie wir. Viele Leute gehen mit dem Hund spazieren, lustig welche Rassen es gibt, oder an den Hundestrand. An einer Stelle gibt es eine silberne Figur, die aussieht wie ein Spritzer Wasser. Ein sehr schöner Strand und Park in der Nähe von UBC.
Es ist guter Wind und wir bleiben eine Weile; es macht Freude mit dem Wind zu spielen.
Um 18 Uhr gehen wir nach Hause, Linda kommt bald heim. Sie wollen wieder mit mir essen gehen. Diesmal gehen sie mit mir in ein japanisches Restaurant. Sie kennen sich aus, da sie einmal über drei Jahre in Japan gelebt haben und die Sprache, Kultur und das Essen gern mögen. Ich bin für (fast) alles offen – Octopus oder so, werd ich trotzdem nicht essen. Sie wählen wieder aus und stellen eine gute Mischung aus Gemüse, Fleisch, Tofu und Nudeln zusammen. Es wird mit Stäbchen gegessen; wird bei den Nudeln interessant. Es schmeckt sehr gut; alles wird frisch zubereitet.
Daheim gibt es noch ein wenig Kuchen als Nachtisch und ich versuche mich in der Simultanübersetzung eines Kurzessay über das Zusammenleben von Mensch und Wolf/Bär. Es gelingt einigermaßen. Ich habe die Geschichte heute früh in der Online Zeitung entdeckt und fand sie so lustig, daß ich sie ihnen erzählen wollte.
Morgen wollen wir einen Trail auf den Grouse Mountain machen. Deswegen wird es Zeit ins Bett gehen. Es ist kurz vor zwölf und der Tag morgen beginnt früh und wird seeehr lang…

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18. Tag

Davon abgesehen, daß ich wahrscheinlich kein Zimmer mehr bekommen hätte, bleibe ich bei meinem Plan und fahre heute zurück auf’s Festland.
Es gibt 2 Busse, nicht weit weg vom Hotel, die nach Swartz Bay, dem Fährhafen, fahren. Eigentlich wollte ich den No. 70 nehmen, wähle aber wieder mal sehr spontan, den 72er, der etwas länger unterwegs ist. Es ist ein Doppelstockbus und fährt teilweise die Küste entlang. Gute Wahl!
Ticketkauf für die BC Ferry nach Tsawwassen und warten auf die 13 Uhr Abfahrt. Ich rufe bei meinen lieben Gastgebern in Vancouver an, um zu fragen, ob ich am Sonntag noch vorbeikommen kann: ja, sie sind zuhause. Wunderbar!
Jetzt sitze ich auf der Fähre, schaue auf’s Meer und sehe ab und zu eine Robbe, leider keinen Wal.
Auf dem Festland geht es ab in den nächsten Bus nach Bridgeport (ein bekannter Ort) und dann in den Skytrain nach Main Street/Science Centre. Vancouver liegt im Gedächtnis so weit weg, obwohl es gerade mal 9 Tage Insel waren…
Um halb fünf bin ich an dem Bahnhof, an welchem meine Inselrundfahrt begann. Ich rufe Hildegard an, daß es heute nicht mehr klappt, sich zu treffen. Ich hätte nicht gedacht, daß ich solange unterwegs sein werde.
Also gut: Auf geht’s! Auf die Suche nach der West 6th Street, in welcher Bill und Linda wohnen. Bill hatte mir damals die Stelle auf der Karte gezeigt und ich glaubte, mir sie gemerkt zu haben. Irrtum.
Mein Gedächtnis ist doch nicht so gut oder er hat mir die falsche Stelle gezeigt. Denn: der Weg vom Bahnhof zur 6th Straße ist nicht sehr weit, aber die 6th Straße ansich ist ewig lang. Ich beginne bei den niedrigen Hausnummern, wobei ich noch nicht so ganz das System hinter der Nummerierung herausgefunden habe. Na jedenfalls laufe ich eine ganze Weile diese recht ruhige Straße entlang. Meine Taschen-Kofferrollerkombination geht mir bald sehr auf die Nerven. Ich muss trotz abgeflachter Bordsteige an den Kreuzungen langsam gehen, damit das Konstrukt nicht immer umkippt. Das gehört in die Nicht-mehr-so-machen-Kiste.
Bald gelange ich zur Olympic Village Station (die kennen wir noch von dem ersten Treffen mit der Verwandtschaft). Die Straße führt weiter. Ich laufe noch ein Stückchen, bis ich bald darauf genervt und müde aufgebe und mein Handy zücke, um Bill anzurufen…
Ich soll ein Stück zurücklaufen zu einem Starbucks, er holt mich dort ab. Okay. Ich finde den Starbucks und warte davor. Nach einer Weile sehe ich zwei Kreuzungen weiter gegenüber noch einen Starbucks. Stehe ich an dem Richtigen? Ich hole gerade das Handy (Cell Phone) heraus, als mir Bill entgegenkommt. Puuh, geschafft.
Er holt mich mit seinem “Zweitwagen” ab: ein roter Zweisitzer im Cabriostil. Hui! Und ist das tief zum Einsteigen!
Das Auto hat mächtig Wumms unter der Haube (muss noch nach der Automarke fragen) und die nutzt er an Kreuzungen auch gut aus. Macht Spaß!
Er zeigt mir kurz ein paar Dinge in der Nähe, wie z.B. “Kitsiliano Beach”, bevor wir bei deren Wohnhaus ankommen. Da hätte ich noch eine Weile laufen können…
Sie haben sich dort eine Wohnung gekauft, mit einer großen Terrasse, von welcher man einen tollen Blick auf Westvancouver, Stanley Park, die Berge, das Meer und Kitsiliano (ein Stadtteil) hat.
Und: ihr “Gäste”zimmer, mein Zimmer, hat direkten Zugang auf diese Terrasse. Wow!
Die Wohnung ist interessant geschnitten, mit offener Küche und einem Gaskaminofen.
Bei der Ankunft lerne ich Linda kennen. Ein sehr sympathische Frau. Die beiden nehmen mich sehr herzlich auf. Ich fühle mich willkommen. Sie laden mich in ein Thai-Restaurant ein, damit ich das kennenlernen kann und weil sie gerne thailändisch essen gehen. Es schmeckt vorzüglich. Sie bestellen 4 unterschiedliche Gerichte, von welchem sich dann jeder nehmen kann. Ich esse zum ersten Mal Muschelfleisch und bin über den guten Geschmack überrascht. Die Schärfe des Essens kann man selber bestimmen, was ich gut finde, denn das Essen selbst ist teilweise auch so schon sehr gut gewürzt.
Danach gehen wir noch in so eine Art Bioladen, der wie ein Frischemarkt aufgebaut ist und holen dort Dessert, um diese zuhause zu geniessen. Was wir dann auch tun. Die ganze Straße ist voll mit tollen Geschäften und Restaurants; es gibt nur einen größeren Supermarkt, ansonsten nur die kleinen Geschäfte. Das macht es gemütlich.
Zurück in der Wohnung werden meine Bilder (sie schauen fast alle an!) angeschaut, Bill zeigt Videos von seinen Paraglidingflügen und andere Fotos.
Halb elf gehen wir zu Bett; Linda muss morgen arbeiten, sie arbeitet als Krankenschwester. Wir alle sind müde.
Ich schreibe noch das hier, aber die Augen sind schwer und wollen endlich schlafen. Das war der längste Reisetag und viel Englisch hören, verstehen und reden war angesagt…

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17. Tag

Ich hab mich an das Hotel und die Stadt gewöhnt und möchte jetzt noch viel sehen…
Beim Frühstück treffe ich ein älteres deutsches Ehepaar. Wir unterhalten uns ein wenig. Sie fragen, welche Fähre ich nehme. Freitag. Schade, wir erst am Samstag. Hätten dich mitnehmen können. Hm, das klingt irgendwie gut, anstatt die Tasche ewig rumschleppen zu müssen. Aber: meine Verwandten freuen sich auch auf mich…
Ich gehe in die Stadt.
Mein erstes Ziel soll nochmal ein Friedhof sein. Der soll sehr alt sein. Ich finde ihn nicht, besagte Stelle ist komplett bebaut. Ich lese die Info der App nochmal genauer…ach, da war mal einer und man kann Touren buchen, die über alte Dinge erzählen und teilweise auch gruselig sein sollen. Aber nichtsdestotrotz finde ich zwei beieinanderliegende interessante Stellen in der Nähe.
Die “Old Church Of Our Lord”, die älteste viktorianische Kirche Victorias, aus Holz gebaut und sehr gut erhalten. Daneben in kleiner Park, welcher früher größer gewesen sein muss. Überraschend ist die Tatsache, daß die Kirche mal sehr nahe zum Wasser gestanden hat. Heute sind es bestimmt 400m bis zum Hafen. Sie haben alles aufgeschüttet, um darauf das heutige Empress Hotel zu bauen, verrückt, oder?
Was mir sehr gefällt, ist, daß sie überall in der Stadt, an bedeutenden Punkten, Schilder aufgestellt haben, mit kurzen Infos und alten Fotos. Ich mag alte Fotos!
Gegenüber der Kirche liegt die ebenfalls geschichtsträchtige “St. Anne’s Academy”, ein ehemaliges Mädchencollege, mit katholisches Wurzeln, ohne Konfessionszwang und mit einem großen Park. Unterrichtet wurden die Mädchen von katholischen Schwestern. Es war aber kein trockenes Lernen, nein, sie hatten mehrere Sportmöglichkeiten, wie Basketball, Tennis, Baseball etc.. Selbst die Schwestern haben gespielt! Auch hier Schautafeln. 1976 haben die Schwestern die Schule verkauft und es wurde zunächst ein öffentliches Verwaltungsgebäude, um bald darauf leer zu stehen. In den 90igern hat man beschlossen, alles zu renovieren, zu modernisieren, um daraus wieder eine Schule zu machen. Hat mich sehr beeindruckt.
Will ich nun ins Museum gehen? Ich bin unentschlossen. Wenn ich es mache, was mit großer Sicherheit sehr informationsreich sein wird, bin ich den ganzen Nachmittag da drin. Will ich das? Nein, eigentlich nicht, das Wetter ist heute wieder so sunny. Deswegen gehe ich den Hafenweg zur “Fishermans Wharf” entlang, zu den Bootsanlegern mit Hausbooten. Ein paar Fressbuden, Whalewatching und Kayakverleiher gibt es auch. Man kann herumschlendern und sich die unterschiedlichsten Hausbootkreationen anschauen. Es stehen auch einige zum Verkauf. So süß und gemütlich diese Häuser sicher sind, muss man es schon mögen, wenn einem ständig die Touristen durch die Fenster schauen, in den “Vorgarten” spucken oder Foto um Foto machen. An einer Tür steht sogar, man solle nicht vergessen, daß hier jemand wohnt und man nicht einfach durch die Haustüre gehen soll. Erstaunlich, was Touristen alles so anstellen. Ob ich mich auch unpassend verhalte?
Hier gefällt es mir auch sehr gut. Es gibt eine “Frischer-Fisch-Bude” und das weiß auch eine Robbe. Sie schwimmt immer in deren Nähe. Irgendwann sehe ich auch warum: man kann kleine Fische bei ihm kaufen, den die Leute dann an die Robbe verfüttern und ihren Spaß haben. Die Möven versuchen auch ihr Glück, aber die Robbe ist schneller… Echt schön sie so nahe zu sehen! Was für groooße Augen! :)
Ich überlege, ob ich nun doch noch eine Whalewatchingtour machen soll. Sie bieten hier recht günstige an und heute sind angeblich sehr gute Aussichten auf Sichtungen. Ich überlege lange. Zu lange? Nein, die letzte Tour für heute begann schon um 14 Uhr. Jetzt ist es halb vier.
Nagut. Ich gehe zurück Richtung Parlament, vielleicht kann man da noch rein. Kurz vor vier bin ich dort und entscheide mich spontan ins IMax zu gehen. Um 16 Uhr soll der Film laufen: “Rocky Mountain Express”. Das klingt langweilig, ist es aber garnicht. Die 18x26m große Leinwand hat eine mächtige Bildwirkung! Erzählt wird die Geschichte des Baus der Eisenbahnstrecke von Vancouver durch die Rocky Mountains. Ein immenses Vorhaben, welches “van Horne” realisiert hat. Die Kameraführung und Positionen ergeben so starke Bilder, daß mir anfangs bei den Überflügen der Rockies die Tränen kommen. Die Gefühle sind so mächtig, als wäre ich in dem Moment an Ort und Stelle. Unglaublich, das ist doch “nur” Kino. Eisenbahnfans hätten bei den Aufnahmen des Zuges und der Fahrtstrecke glänzende Augen ;)
Es gibt die Möglichkeit noch einen anderen Film für die Hälfte des Preises zu sehen, das würde ich gerne machen, doch es gibt eine geschlossene Veranstaltung ab 17 Uhr. Schade.
Also gehe ich zum Beacon Hill Park in Richtung Strand. Ich setzte mich eine Weile auf die Felsen und schaue auf das Meer. Schön!! :)
Bald wird es wieder dunkel und ich mach mich auf den Rückweg entlang der “Menzies Street” zum Hafen und weiter die “Government Street”. Hier ist es genauso voll mit Souvenierläden wie in der Water Street in Vancouver und eine Menge Bettler gibt es auch. Ich brauche noch etwas zu Trinken und suche einen Shop. Irgendwie finde ich keinen vernünftigen Laden und gehe etwas im Kreis. Nur durch diesen Zufall komme ich direkt zum “Eingang” zu “China Town”. Es gibt sehr viel Kitsch, aber das Viertel verfehlt dennoch nicht seine interessante Wirkung. Eine chinesische Schule sehe ich auch, mit den typisch roten Lampions. In einem chinesischen Laden kaufe ich etwas, bevor ich noch länger suchen muss. Der ganze Laden riecht nach Räucherstäbchen, huiii, Luft anhalten und schnell raus…
Und: seit einer ganzen Weile überlege ich: soll ich noch eine Nacht bleiben oder morgen weiterfahren? Einerseits hätte ich Lust noch mehr zu entdecken und mit dem Ehepaar mitzufahren (wäre einfacher), andererseits hätte ich auch nochmal Lust auf Vancouver und seine Hochhäuser. Vielleicht habe ich auch einfach nur bissl Angst vor dem Mitwohnen bei Bill und Linda…
Ich entscheide nach dem Schlaf…das ist oft besser.

Mein Fazit: die anfängliche Distanz zur Stadt hat sich in große Begeisterung gewandelt. Man ist so schnell am Meer und kann soviel sehen und unternehmen, unglaublich! Sehr zu empfehlen!

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quietschi

Im Government House Garden lief ich gerade zwischen einigen Bäumen hindurch, als ich auf einmal ein seltsames Piepen oder Zwitschern hörte. Nachdem ich die Richtung herausgehört hatte, habe ich noch ein Weilchen gewartet und zwischen den Ästen nach dem Ursprung gesucht. War da nicht grad ein Vogel zu sehen?
Irgendwann bin ich zu dem Baum abseits des Weges gegangen. Und was sehe ich?
Auf dem untersten Ast sitzt ein Eichhörnchen, welches aber grau ist.
Es sitz da auf dem Ast & quietscht, sozusagen. Vielleicht ist es aufgeregt. Es hält eine Eichel zwischen den Vorderpfoten, die es dann bald ins Maul nimmt. Ich gehe ein wenig um den Baum herum, um es besser sehen zu können. Es sieht mich und quietscht noch ein bissl mehr. Dann hält es die linke Pfote zur Brust; es wirkt als würde es gleich einen Herzinfarkt kriegen. Ihm fällt die Eichel aus dem Maul, welche es aber ganz schnell noch auffangen kann. Wir schauen uns eine ganze Weile an. Währenddessen immer dieses Geräusch. Als ich gehe, rennt es auf einmal los und klettert den Baum hinauf. Jetzt ist das Quietschen vorbei.
Während es vorher so dasaß, hatte es seinen buschigen Schwanz über sich gelegt, so als wolle es sich verstecken.
Es war soooo süß!
Etwas später ist mir nochmal solch ein Hörnchen begegnet. Vielleicht war es dasselbe… :)

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16. Tag

Mein Rauchmelder hat mich schlafen lassen. Das Frühstück im Mini-Frühstücksraum mit 4 Tischen ähnelt dem in der Lodge, nur daß es nicht so exklusiv daherkommt. Es gibt Pappteller und -becher, Plastikbesteck und abgepackte Marmeladen und so. Die Gäste, die ich sehe, bleiben nicht lange sitzen. Ist ja auch nicht wirklich gemütlich.
Gestern Abend habe ich mir mit Hilfe einer App eine kleine Tour mit interessanten Punkten zusammengestellt. Da ich nicht wieder die ganze Douglas Street laufen möchte, nehme ich bald die Parallelstraße oberhalb. Gestern hatte ich ein Gebäude gesehen, von welchem ich glaube, daß es ein Kino ist, erkenne aber dann: es ist ein Eishockeystadion. Heute Abend spielen sie auch.
Auf dem weiteren Weg sehe ich zwei Kirchtürme und biege in deren Richtung ab. Eine der Kirchen hat einen seltsamen Aufbau. Der Turm ist unten rund und wird auf mittlerer Höhe quadratisch und bekommt zusätzlich noch 4 schmale Türmchen rundherum dazu. Ungewöhnlich.
Weiter zu meinem ersten Ziel: dem “Craigdarroch Castle”, welches eigentlich kein richtiges Schloss ist, sondern der Familiensitz des reichsten Mannes British Columbias zu jener Zeit. Sein Name: Robert Dunsmuir. Er hat die Fertigstellung dieses Hauses um 1890 nicht mehr erlebt. Man kann einen Rundgang durch das ganze Haus machen, welches mit vielen originalen Möbeln und Gegenständen eingerichtet ist. Das Haus hat verschiedenen Zwecken gedient: von einem Militärhospital über ein College, einer Musikschule zum heutigen Museum. Ich fand es sehr interessant, in eine Welt zu schauen, die es wirklich einmal so gegeben hat. Es gab sehr viele Infotafeln, man bräuchte eine ganze Weile, um alles lesen zu können. Ich habe nicht alles gelesen, dann hätte ich drei oder mehr Stunden für die Besichtigung gebraucht, aber ich will ja noch mehr sehen. Für Victoria-Reisende habe ich auf jeden Fall einen guten Ausflugstip!
Südlich vom Castle liegt der “Government House Garden” und wie der Name schon sagt, liegt in ihm das Haus vom Gouverneur Victorias, dem Repräsentanten der englischen Krone. Zur Zeit hat der Gouverneur indische Wurzeln. Das habe ich von einer älteren Einwohnerin erfahren, die ein Gespräch mit mir in jenem Park angefangen hat. Es war interessant und gleichzeitig ungewohnt, da ich bisher raren englischsprachigen Kontakt hatte. Aber sie meinte, mein Englisch sei sehr gut. Na, wer’s glaubt,…
Sie hat an einem wirklich schönen Plätzchen gesessen – im Park mit Blick auf das Meer. Und die Sonne war heute wieder prächtig mit dabei…
Im Park hatte ich noch eine lustige Tierbegegnung. Diese werde ich zu den Geschichten packen…
Auf jeden Fall habe ich heute viele Tiere gesehen: 5 Eichhörnchen, 2 Spechte, über 10 Pfauen, viele Gänse…einen Blauwal ;)
Jetzt will ich aber an die Küste und in den “Beacon Hill Park”. Nach einem Tee, weil ich nie weiß, was ich bei Starbucks bestellen soll, außer vielleicht noch einen Soja Café Latte, entdecke ich einen Friedhof. Ich finde es ab und zu interessant in anderen Ländern einen Friedhof anzuschauen. Dieser hier hat keine Außenmauern und es gibt nur Grabsteine und Gras. Es ist alles sehr offen, es gibt nur ganz selten mal Blumen.
Der Beacon Hill Park ist ein sehr großer und alter Park Victorias. Um ihn ist im Prinzip die Stadt gewachsen, wenn ich die Infotafeln richtig verstanden habe. Es gibt viele geschwungene Wege und Teiche und eben auch eine Menge freilaufender Pfauen. Ich glaube, durch den Park werd ich morgen nochmal etwas länger laufen.
Ich finde noch das “BC Museum”, in welches ich morgen vielleicht auch gehen werde. Am Hafen sehe ich noch das Parlament und das bekannte “Fairmont Empress Hotel”.
Von diesem Hafen fahren die Fähren nach Seattle, die Stadtfähren, Wasserflugzeuge und Whalewatchingboote.
Die Sonne geht schon wieder langsam unter, vor dem Stadion sammeln sich die Zuschauer und ich laufe zurück zum Hotel, um zu futtern und sinnlos den Fernseher laufen zu lassen.
Morgen wollte ich ursprünglich zu “Butchard Gardens”, die sind fast Pflichtprogramm für Touristen, werde das aber womöglich garnicht machen. Was ich nicht wußte: der Garten liegt im Norden außerhalb der Stadt, kurz vor’m Flughafen, und sie haben in der Wintersaison nur bis 16 Uhr geöffnet…

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15. Tag

Die Sonne scheint!
Ich geh schnell frühstücken und dann noch raus. Zuerst auf die Terrasse und dann noch auf den Middle Beach um im Licht der aufsteigenden Sonne sitzen zu können. Das ist fantastisch! Der Strand ist leer, die Gäste sitzen noch beim Frühstück, fahren weg oder sitzen auf ihren Balkonen. Ich habe den Strand, die Sonne, die Wellen und die Aussicht zum Abschied für mich ganz allein. Suuuuper!
Dann kommt der Abschied. Ich laufe zum Anfang der MacKenzie Road und warte an der Hauptstrasse auf meinen Anschluss zum Tofino Bus. Es wurde so besprochen, daß er mich dort schnell aufnimmt, ich meine große Tasche bis Ucluelet auf den Schoss nehme und den Rucksack ins obere Fach lege. Der Bus soll kurz nach 10:30 da sein. Ich bin sehr pünktlich und stehe bestimmt schon 25 min rum. Um 10:35 vermute ich den Bus bald um die Kurve kommend. Sie fahren meistens nie pünktlich los. Also nicht unruhig. Um 10:40 wundere ich mich dann doch, wo er denn nun bleibt. Ich frage mich noch recht unaufgeregt, was ich mache, falls er nicht kommt oder gar schon vorbeigefahren ist? Etwas nervös, aber immer noch erstaunlich unaufgeregt. Kurz vor 10:45 ist er dann da! Der Busfahrer macht doch kurz eine der unteren Türen auf, sodass ich gleich die Reisetasche dort reintun kann.
Das gleichmäßige Summen und Schaukeln des Busses macht einen schnell müde. Ich sehe nochmal den Long Beach, aber die Augen fallen immer wieder mal zu. Das geht eigentlich heute die ganze Fahrt über. Es geht wieder über Ucluelet nach Port Alberni, Parksville und Nanaimo. Und dann direkt von Nanaimo direkt nach Victoria. Der Fahrer fragt vorher, wer wohin muss und sagt, ob er an jenen Stellen extra halten kann. Für mich wird er das auch machen; ich soll meine Reisetasche nach oben holen, damit ich schnell an einer Bushalte aussteigen kann. Und tatsächlich, er kann direkt in der Hotelnähe anhalten. Lief perfekt. Das “Super 8 Hotel” ist auf dieser Reise die, na sagen wir mal, unpersönlichste Unterkunft dieser Reise. Es wäre im Nachhinein besser gewesen die Tour auf der Insel anders herum zu machen, dann hätte ich mich unterkunftsmäßig steigern können. Nun ja, ist aber jetzt so…
Das Hotel liegt in der Douglas Street, das ist hier wohl, DIE Hauptstrasse der Stadt. Das stimmt auch. Sie ist ewig lang, ich brauche bestimmt eine halbe Stunde zu Fuss in Victorias Innenstadt. Das Tofino Bus Depot wäre in der Douglas Street 700 gewesen; das Hotel hat Nr. 2915!
Ich muss mich kurz ausruhen und orientieren, dann laufe ich diese große Straße in Richtung Innenstadt. Jedenfalls habe ich das vor. Da ich aber erst um 17:30 loslaufe, eine ganze Weile unterwegs bin und einen Laden mit belgischen Waffeln in der Johnson Street suche, komme ich garnicht bis dahin. Der Laden hat leider schon zu. Er befindet sich neben einem gemütlichen Platz, der eine Art geschlossener Markt ist. Ich laufe bis zu einer Brücke in der Nähe und dann gehe ich auf die Suche nach einem Supermarkt, Drug Mart oder so was. Dauert eine Weile, aber ich finde etwas.
In den 2 Stunden die ich hier rumlaufe, fallen mir diese Dinge auf:
1. Ich werde 2x von Typen wegen Kleingeld oder um was zu Kaufen angequatscht – hier muss man noch schneller ignorieren oder Nein-Sagen-Können als in Vancouver.
2. Es gibt hier noch mehr Obdachlose oder arme Leute als in Vancouver. Das hat mich ja dort schon recht erschrocken, daß es sehr viele arme, drogensüchtige und obdachlose Menschen gibt.
3. Victoria ist zwar auch eine riesige Stadt, wirkt durch die niedrigeren und auch älteren Bauten ganz anders. Hier ist die englische Historie gut zu erspüren. Es gibt Pubs und alles strahlt eine gewisse Gemütlichkeit aus. Das könnte wirklich interessant werden.

Ich will vor der Dunkelheit im Hotel sein. Also ab auf den langen Rückweg und dann muss ich rausfinden, wo ich Tagestickets herbekomme, um nicht immer diese Strasse laufen zu müssen.
Ich hatte mir Brot gekauft und einen Nudeltopf, da ich, was das gute am Hotelzimmer ist, eine kleine Kitchenette mit Mikrowelle und Toaster habe. Ich benutze den Toaster. Da er zu hoch eingestellt ist, will ich ihn runterdrehen damit er ausgeht und just in dem Moment geht der Rauchmelder in meinem Zimmer an, obwohl es gar keinen Rauch im gibt. Ohmann, ist der laut! Was mach ich jetzt? Ob die Rezeption das mitbekommt? In dem Moment, als ich die Schuhe anhabe, um runtergehen zu können, geht das Ding aus. Ich hoffe, das bleibt auch so; stelle sicherheitshalber nochmal die tolle Aircondition am Fenster an, ein lauter Stromfresser und hoffe, daß ich in der Nacht meine Ruhe haben werde. Von der Rezeption meldet sich keiner; der Alarm ging somit unbemerkt vonstatten.
Bin gespannt auf morgen, kann bis jetzt nur sagen: trotz Interesse für diese Stadt, fühle ich mich zum ersten Mal nicht ganz so wohl wie sonst. Ob das an der Unterkunft, an den Leuten hier liegt, weiß ich nicht.

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